Wundheilung und Wundheilungsstörung – Ein Überblick

In diesem Beitrag erfahren Sie mehr über Wundheilung und Wundheilungsstörungen. Wir erklären Ihnen, was darunter zu verstehen ist. In Bezug zur Wundheilung stellen wir Ihnen die primäre und sekundäre Wundheilung, die vier Wundheilungsphasen sowie wundheilungsfördernde als auch -hemmende Faktoren vor. Zum Thema Wundheilungsstörung gibt es Informationen zu den systemischen und lokalen Faktoren. Im Anschluss erhalten Sie einen Überblick über Mythen der Wundheilung und ob eine Heilung von Wunden mit CBD möglich ist.

Alles rund um Wundheilung

Als Wundheilung wird der körpereigene Prozess zum Verschließen einer Wunde durch Wiederherstellung des beschädigten Körpergewebes bezeichnet. Dieser natürliche Prozess vollzieht sich automatisch, kann aber durch eine sorgsame Wundbehandlung optimiert werden. Kommt es zu einer Wunde, antwortet das Immunsystem sofort mit einer Entzündungsreaktion. Das betroffene Gewebe schwillt an, rötet sich, wird warm und schmerzt. Durch diese Reaktion strömt vermehrt Blut in den verletzten Bereich und liefert Stoffe an, die die Blutung stoppen, die Wunde verschließen und schließlich zur Heilung beitragen. Sind diese natürlichen Heilungsmechanismen gestört, kann die gewöhnlich zweckmäßige Entzündung ausarten und selbst zum Problem werden – teilweise sogar mit lebensgefährlichen Folgen.

Wundambulanz in Österreich anrufen.

Primäre und sekundäre Wundheilung

Bei der Heilung von Wunden wird zwischen zwei Arten unterschieden: der primären und der sekundären Wundheilung. Die primäre Wundheilung läuft komplikationslos und ohne Infektion ab und ist meist in einer Woche abgeschlossen. Bei der sekundären Wundheilung kommt es zu Komplikationen und breiter Narbenbildung. Ob eine primäre oder sekundäre Wundheilung erfolgt, hängt im Wesentlichen davon ab, was die Wunde verursacht hat. Glatte Wundränder und keimarme Wundverhältnisse begünstigen die Heilung. Daher erfolgt insbesondere nach chirurgischen EingriffenSchnittwunden oder Schürfwunden eine primäre Wundheilung.

Zur sekundären Wundheilung kommt es, wenn besonders große Gewebedefekte vorliegen und sich die Wundränder nicht eng aneinander legen lassen. Bisswundentiefe Druckgeschwüre und starke Verbrennungen sind gute Beispiele dafür. Auch wenn eine Wunde sich entzündet, wird von sekundärer Wundheilung gesprochen. Bis eine Wunde sekundär abheilt, können sogar Monate vergehen. Bei Verletzungen dieser Art ist es wichtig professionellen Rat einzuholen. In der Wundambulanz erhalten Sie u. a. Hilfe bei Wunden, die groß sind oder schlecht heilen.

Wundheilungsphasen: Ablauf der Wundheilung

Mediziner und Medizinerinnen unterscheiden vier Phasen der Wundheilung, die weitgehend parallel ablaufen:

  • 1

    Exsudative Phase: Die erste Phase beginnt bereits wenige Minuten nach der Verletzung (Wundsetzung) und wird exsudative Phase genannt. Die exsudative Phase dauert einige Stunden und zeichnet sich dadurch aus, dass die Blutgerinnung einsetzt und sich Wundschorf bildet, um die Wunde gegen Keime zu schützen. Zudem entsteht in der Wundregion ein sogenanntes Wundödem, das Gewebe rötet sich und schwillt an. Die erste Wundbehandlung sollte bereits während der exsudativen Phase erfolgen, um Infektionen vorzubeugen und eine optimale Wundumgebung zu schaffen.

  • 2

    Resorptive Phase: Darauf folgt die resorptive Phase. Diese zweite Phase der Wundheilung setzt ebenfalls am Tag der Wundsetzung ein und dauert etwa bis zum dritten Tag. Während der resorptiven Phase werden abgestorbene Zellen und Blutgerinnsel abgebaut. Entzündungsreaktionen können begleitend auftreten. Exsudative Phase und resorptive Phase werden als Reinigungsphase zusammengefasst, da sie die Voraussetzungen für das neue Gewebewachstum schaffen.

  • 3

    Proliferationsphase: Ab dem vierten Tag setzt die Proliferationsphase ein, in der erstes Granulationsgewebe entsteht und die Wunde anfängt, sich zu verschließen. In dieser Phase vermehren sich Fibroblasten und bilden Kollagenfasern, welche die Festigkeit der Wunde erhöhen. Gleichzeitig bilden sich neue Blutgefäße, um die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des heilenden Gewebes zu verbessern.

  • 4

    Reparationsphase: Endgültiges Narbengewebe entsteht aber erst ab dem achten Tag (Reparationsphase). Das Narbengewebe ist auffallend hell und besitzt weder Schweiß- noch Talgdrüsen. Diese Phase kann mehrere Monate dauern, während das Narbengewebe kontinuierlich umgebaut und verstärkt wird, um eine dauerhafte Reparatur der Wunde zu gewährleisten.

Wundheilungsfördernde und wundheilungshemmende Faktoren

Es gibt sowohl wundheilungsfördernde als auch wundheilungshemmende Faktoren:

Ein wundheilungsfördernder Faktor ist Wärme.

Wärme wirkt sich wundheilungsfördernd aus.

Wundheilungsstörung: Was Sie wissen sollten

Wenn die natürliche Wundheilung unterbrochen oder durch bestimmte Faktoren verzögert wird, sprechen Mediziner und Medizinerinnen von einer Wundheilungsstörung. Bei einer Störung der Wundheilung werden die vier Wundheilungsphasen nicht vollständig durchlaufen.

Wenn die Heilung einer Wunde ins Stocken gerät, muss die Wundbehandlung von einem Arzt oder einer Ärztin betreut werden – denn schlecht heilende Wunden sind nicht ungefährlich! Je länger eine Wunde besteht, desto höher das Risiko, dass es zu einer Wundinfektion kommt. Über infizierte Wunden dringen Bakterien in den Organismus ein, können Knochen und Sehnen befallen und zu einer Blutvergiftung führen. Zudem begünstigen schlecht heilende Wunden die Entstehung von Tumoren.

Um Wundheilungsstörungen effektiv zu behandeln, ist es entscheidend, die zugrundeliegenden Ursachen frühzeitig zu erkennen und gezielt anzugehen. Wenden Sie sich an die Wundambulanz für eine professionelle Wundberatung und -versorgung an unterschiedlichen Standorten in Österreich. Wir unterstützen Sie bei Ihrer Wundheilung oder Wundheilungsstörung und verhelfen Ihnen dadurch zu mehr Lebensqualität!

Wundambulanz in Österreich eine E-Mail schreiben.

Lokale und systemische Faktoren einer Wundheilungsstörung

Es gibt lokale und zahlreiche systemische Faktoren, die zu Störungen bei der Wundheilung führen können.

  • Verunreinigung durch Fremdkörper
  • Mangelnde Ruhigstellung
  • Spannung der Wundränder
  • Wundinfektion
  • Große Wundhämatome
  • Wundserome (Ansammlung von Wundflüssigkeit)
  • Grunderkrankungen, die eine ungenügende Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff verursachen
    • Anämien, Diabetes mellitus, Durchblutungsstörung (pAVK, periphere arterielle Verschlusskrankheit) und die Chronisch-venöse Insuffizienz (CVI)
    • Andere Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen: Krebs oder chronische Infektionskrankheiten
  • Malnutrition (Mangelernährung)
  • Starkes Übergewicht (Adipositas)
  • Einige Medikamente, bspw. Antikoagulanzien, Immunsuppressiva, Zytostatika, etc.

Für eine gute Wundheilung ist die Vermeidung beziehungsweise die frühzeitige Intervention beim Auftreten dieser Störfaktoren wichtig.

Heilung von Wunden – Mythen und CBD

Bei der Diskussion rund um das Thema Wundheilung haben sich Mythen eingeschlichen. Zudem wird darüber gesprochen, ob und wie sich CBD wundheilungsfördernd auswirken kann. Wir verschaffen Ihnen einen Überblick.

Mythen der Wundheilung

Wenn es um Wunden, Wundheilung und Wundversorgung geht, herrscht bei vielen Menschen Unsicherheit. Sind Pflaster Brutstätten für Bakterien? Tun tiefe Wunden mehr weh? Sind schlecht heilende Wunden ein Indiz für ernsthafte Erkrankungen? Wir räumen nachfolgend mit den hartnäckigsten Mythen rund ums Thema Wundheilung auf und sagen Ihnen, was wirklich stimmt. Das Wissen hilft Ihnen, künftig Komplikationen zu vermeiden und den natürlichen Heilungsprozess zu unterstützen.

Fakt ist: Nein, moderne Pflaster sind keimfrei und helfen die Wunde sauber zu halten. Durch die Wundversorgung mit einem Pflaster ist die Wunde vor äußeren Einflüssen wie Bakterien und Schmutz geschützt – damit wird das Risiko einer Infektion minimiert. Außerdem schützen Pflaster als eine Art Polster vor Druck und Reibung – auch das ist dienlich für die Wundheilung. Nicht vergessen: Ehe ein Pflaster angewendet wird, muss die Wunde sorgfältig gereinigt werden.

Fakt ist: Falsch, genau das Gegenteil ist der Fall! Je tiefer eine Wunde ist, desto weniger Schmerz wird wahrgenommen. Das liegt daran, dass die Nervenendigungen nicht tief im Gewebe, sondern direkt auf der Hautoberfläche sitzen. Oberflächliche Wunden (etwa Brand- oder Schürfwunden) verursachen deshalb größere Schmerzen. Tiefe Wunden heilen allerdings schlechter und sind anfälliger für unschönes Narbengewebe. Deshalb sollten tiefe und großflächige Wunden möglichst nur von geschultem Personal versorgt werden.

Fakt ist: Moderater Juckreiz ist tatsächlich eine typische Begleiterscheinung bei der Wundheilung, denn heilende Wunden schütten Histamin aus, das den Juckreiz auslöst. Aber Achtung: Akuter Juckreiz in Verbindung mit einer starken Rötung, pochendem Schmerz oder Eiter, deutet auf eine Entzündung hin. In einem solchen Fall sollten Sie schnellstmöglich einen Experten oder eine Expertin kontaktieren.

Fakt ist: Stimmt! Wenn eine Wunde längere Zeit nicht heilt, sind offensichtlich die Selbstheilungskräfte des Körpers überfordert. Das kann auf eine Erkrankung hindeuten, etwa auf Durchblutungsstörungen oder ein beeinträchtigtes Immunsystem. Sollten Sie feststellen, dass die Heilung von Verletzungen und Wunden bei Ihnen eine ungewohnt lange Zeit dauert, lassen Sie sich sicherheitshalber in unserer Wundambulanz ärztlich untersuchen.

Fakt ist: Korrekt! Die fachmännische Reinigung und Versorgung der Wunde hilft, das Risiko für Narbenbildung deutlich zu mindern. Unschöne Narben entstehen vor allem dann, wenn es zu einer Infektion der Wunde kommt. Auch krustige Verschorfungen und wiederholtes Aufreißen können zur Narbenbildung beitragen.

Pflaster sind keimfrei und halten Wunden sauber.

Pflaster schützen Wunden vor äußeren Einflüssen.

Wundheilung durch CBD – Ist das möglich?

Dem breiten Publikum ist Cannabis primär wegen des berauschenden Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol (THC) bekannt. Doch in der Cannabispflanze stecken Hunderte unterschiedlicher Inhaltsstoffe. Weltweit wird Cannabis seit Langem als Medizinpflanze genutzt – auch bei der Wundheilung. Cannabis-Extrakte werden seit Jahrtausenden bei der Wundbehandlung verwendet. In die westliche Medizin hielt die Hanfpflanze aber erst im 19. Jahrhundert Einzug. 2018 wurde Cannabis zur Arzneipflanze des Jahres in Österreich gewählt.

Zu den Hunderten Inhaltsstoffen der Hanfpflanze Cannabis sativa L. zählen 113 Cannabinoide, darunter der nicht berauschend wirkende Stoff Cannabidiol (abgekürzt CBD). CBD werden zahlreiche positive Effekte auf die Gesundheit zugeschrieben. Cannabinoide wie Cannabidiol werden im menschlichen Körper über das Endocannabinoid-System (endogenes Cannabinoid-System) aufgenommen. Das Endocannabinoid-System gehört zum Nervensystem und ist wissenschaftlich noch nicht umfassend erforscht.

Bisher bekannt ist, dass das menschliche Endocannabinoid-System über zwei Cannabinoid-Rezeptoren (CB1 und CB2) verfügt.

  • CB1 findet sich vor allem in den Nervenzellen des Gehirns und im Darm.
  • CB2 sitzt auf Zellen, die das Immunsystem sowie die Knochengesundheit regulieren.

Cannabinoide wie CBD aktivieren die Cannabinoid-Rezeptoren. Daher wird Cannabis aktuell bei gravierenden Krankheiten wie AIDSKrebsMultiple Sklerose oder dem Tourette-Syndrom verschrieben. Einzelne kleinere Studien sowie eine Vielzahl an Patientenerfahrungen legen nahe, dass sich eine Verbesserung der Schmerzsituation bei Wunden aller Arten, auch chronische Wunden, durch die äußerliche Anwendung von Cannabis erzielen lässt. Die persönlichen Erfahrungsberichte von Patienten und Patientinnen suggerieren, dass CBD in Salben und Cremes bei Wunden nicht nur schmerzlindernd, sondern auch entzündungshemmend wirkt.

Aufgrund der Platzierung wird vermutet, dass die Cannabinoid-Rezeptoren eine Rolle bei der Aufrechterhaltung des Immunsystems, bei Bewegungs- und Lernprozessen, bei der Appetit- und Motilitätssteuerung, bei der Schlafinduktion, der Temperatursteuerung, bei Schmerzzuständen, dem Schutz von Nervenzellen und Nervenfasern beteiligt sind.

Obwohl es generell zahlreiche Studien zu Cannabis gibt, stammen die meisten Erkenntnisse zu CBD bei der Wundversorgung aus der Grundlagenforschung (Tierversuche) sowie kleinen Studien am Menschen.

Groß angelegte medizinische Studien mit menschlichen Probanden fehlen noch, so dass sich der therapeutische Nutzen von CBD bei der Wundheilung noch nicht wissenschaftlich belastbar abschätzen lässt. Der Unwille großer Pharmaunternehmen große Studien mit Probanden durchzuführen, liegt auch darin, dass Cannabis sativa L. und ihre Inhaltsstoffe wie CBD nicht patentierbar sind. Vielfach verlassen sich Betroffene, die chronische Wunden haben, deshalb auf persönliche Erfahrungsberichte von anderen Patienten und Patientinnen mit schlecht heilenden Wunden.

Kontakt zur Wundambulanz in Österreich aufnehmen.

FAQ

Wundheilung ist der körpereigene Prozess zum Verschließen einer Wunde durch Wiederherstellung des beschädigten Gewebes. Dieser Prozess läuft in mehreren Phasen ab und kann durch eine sorgsame Wundbehandlung unterstützt werden.
Die Wundheilung gliedert sich in vier Phasen: die exsudative Phase (Blutgerinnung, Austritt von Gewebsflüssigkeit), die resorptive Phase (Abbau abgestorbener Zellen), die Proliferationsphase (Bildung von neuem Gewebe) und die Reparationsphase (Narbenbildung und -umbau).
Primäre Wundheilung verläuft komplikationslos und meist innerhalb einer Woche, während sekundäre Wundheilung bei größeren Gewebeschäden oder Entzündungen langsamer abläuft und oft zu breiter Narbenbildung führt.
Lokale Faktoren wie VerunreinigungenWundinfektionen und systemische Faktoren wie Diabetes, Durchblutungsstörungen, Mangelernährung oder bestimmte Medikamente können eine Wundheilungsstörung verursachen.
Zum Beispiel stimmt es nicht, dass Pflaster Brutstätten für Bakterien sind oder dass tiefere Wunden immer stärker schmerzen. Auch Juckreiz kann ein normales Heilungszeichen sein, sollte aber bei Entzündungsanzeichen ärztlich abgeklärt werden.
CBD wird eine schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben, die subjektiv bei Wundheilung helfen kann. Wissenschaftlich belastbare groß angelegte Studien fehlen jedoch noch, sodass der therapeutische Nutzen nicht endgültig bewiesen ist.